Wieviel Atommüll erzeuge ich im Jahr?

Autor: Christian Ahmer, erstellt: 04.04.2011, zuletzt geändert: 16.09.2014
Kategorien: Privat

Zugegeben, bislang hat es mich gar nicht recht geschert - ich dachte bislang immer, gut wir verbauchen ja eh alle irgendwie Strom aus Atomkraftwerken und man kann ja sowieso kaum was dagegen machen
Aber dieses Denken ist falsch - man kann sehr wohl etwas dagegen tun.
Zunächst aber sollte man erst einmal ein gewisses Bild von seinem Stromverbrauch haben.

Nachdem ich mich nun doch einmal umgesehen habe, wieviel Strom ich so im Jahr verbrauche, von wem ich diesen Strom wirklich beziehe, wieviel es mich kostet und was für Schadstoffe (und damit auch radioaktiver Abfall) dabei anfallen, habe ich nun doch ein recht genaues Bild:

Ich zahle an meinen Stromversorger hier in Hameln, die GWS Stadtwerke Hameln GmbH etwa 70 Euro im Monat, da man uns wohl etwas höher eingeschätzt hat, als das was wir wirklich verbrauchen.
70 Euro das sind 7000 Cent. Eine Kilowattstunde Strom kostet hier in unserem Tarif 23,56 Cent.
7000 / 23,56 = 297 Kilowattstunden pro Monat (von der GWS geschätzt). Sagen wir also etwa 300, damit lässt sich besser rechnen.
Das Ganze mal 12, damit sind wir dann bei etwa 3600 kw/h pro Jahr.

Laut einer Erhebung einer Stromvergleichsseite aus dem Internet (www.stromauskunft.de) werden durch die Produktion des Stroms pro Kilowattstunde 0,60mg radioaktiver Abfall erzeugt.
Damit bin ich mit meiner Wohnung bei 3600 * 0,6 / 1000 = 2,16 Gramm pro Jahr.

2,16 Gramm pro Jahr klingt nicht nach viel, aber wenn man nun das Ganze mal 80 Millionen Bürger in Deutschland rechnet: 2,16 * 80000000 dann ist man schon bei 173 Tonnen pro Jahr.

Und das nur für den Strom den ich in meiner Wohnung verbrauche. Der Strombedarf für die Herstellung von Dingen und Verbrauchsgütern die man sich so kauft ist da noch gar nicht eingerechnet.
Der Atommüll der in Deutschland so jährlich anfällt soll übrigens bei knapp 500 Tonnen liegen. Da sieht man, was so von der Industrie noch zusätzlich für Opfer gefordert werden.

In den USA sollen es übrigens insgesamt 2000 Tonnen radioaktive Abfälle pro Jahr sein.

Ich weiß ja nicht, aber anbetracht der Tatsache, dass das was wir Endlager nennen, definitv keine Endlager sein können, da für die Dauer die radioaktives Material strahlt, einfach von Niemandem abgeschätzt werden kann, was mit einem sogenannten Endlager mit der Zeit passiert, gibt es nur eine Lösung: Wir sollten aufhören atomaren Müll überhaupt zu produzieren.

Selbst wenn es für uns alle im einzelnen als auch für die Gesellschaft an sich viel teuerer kommen sollte mit Wind bzw. Solarstrom, so ist das Risiko das uns erwartet, wenn wir nicht aufhören mit dem Atommüll genau das was uns am teuersten überhaupt kommen könnte: Das Ende der Zivilisation - man kann das gerade an Fukushima sehr gut sehen.
Strahlend saubere Meere und strahlend sauberes Grundwasser könnte in Zukunft mehr als nur eine Floskel sein.

Ich bin zwar damit nix besseres (und will das auch gar nicht sein) als andere Leute, aber ich werde mir trotzdem einen anderen Stromanbieter suchen.



Bisherige Kommentare

Autor: JanG am 14.02.2013

Schöne Rechnung, aber zum Punkt Endlagerung möchte ich als jemand, der schon länger in der Endlagerforschung arbeitet, etwas loswerden. Der radioaktive Abfall besitzt radiotoxische Eigenschaften, die nach etwa 1 Mio. Jahre auf dem Level der natürlichen (Umgebungs)Radioaktivität angelangt sind. Für diese Zeit muss ein sicherer Verschluss gewährleistet werden. Wer sich mal mit einem Geologen unterhalten hat, der weiß dass diese Zeiträume durchaus beschreibbar sind. Auch die Entwicklung eines Salzstockes, in dem das Endlager geschaffen werden soll, kann über diesen (geologisch kurzen) Zeitraum mit hinreichend großer Sicherheit beschrieben werden. Ferner gebe ich zu bedenken, dass selbst wenn wir jetzt sofort weltweit aus der kerntechnischen Energieerzeugung aussteigen, der Abfall da ist und entsorgt werden muss. Ausserdem gibt es auch noch die Abfälle aus Medizin und Industrie: die radiologischen Untersuchungen und Materialprüfungen in verschiedensten Bauberufen erzeugen Abfall der (zumindest in Deutschland) etwa 95% des zu entsorgenden Volumens ausmacht und der auch entsorgt werden muss. Oder soll hier auch der Ausstieg vollzogen werden? Dass Sie jetzt die Vorfälle in Fukushima mit dem Ende der Zivilisation gleichsetzen, nehme ich mal als Übertreibung hin wie sie gerne als stilistisches Mittel auf einem Blog genutzt wird und gehe da nicht weiter drauf ein. Btw: in Deutschland sind vier Endlager in Betrieb. Seit den 1970er Jahren wird dort Abfall, der im Gegensatz zu radioaktiven Abfall wirklich für IMMER gefährlich bleibt, zu Mio. Kubikmetern entsorgt. Seltsamerweise interessiert das aber niemanden. Hierzu habe ich vor längerem mal was geschrieben: http://www.kerngedanken.de/2011/01/funktionierende-endlagerung/ Vielleicht mögen Sie sich an sich auch mal zur Endlagerung schlau machen? Da habe ich hier eine kleine Sammlung an Texten: http://www.kerngedanken.de/serien/das-endlager/ Beste Grüße, JanG

Autor: Frederick am 10.03.2012
Ansich eine gute Idee das mal durchzurechnen, aber du hast ein paar Sachen vergessen. Nicht der komplette Strom den wir verbrauchen ist Atomstrom, sondern nur ein Teil(wenn auch zugegeben der größte). Zweitens sind wir zwar gut 80 Millionen Bürger, aber bei weiten nicht 80 Millionen Haushalte! Das dürfte sich irgendwo bei der Hälfte ansiedeln(Kinder und Wohngemeinschaften abziehen). Aber trotzdem unterstütze ich jede Aktion gegen Atomstrom!
Autor: Christian Ahmer am 05.05.2011
Hallo Benny! Vielen Dank für deine Meinung. Ja, ich finde auch wir sollten dem Ökostrom definitiv eine Chance geben, auch wenn sich das ganze logischerweise erst in den Kinderschuhen befindet. Im Lauf der Zeit wird Ökostrom hoffentlich Atomstrom ablösen.
Autor: Benny Neugebauer am 03.05.2011
Schöne Rechnung. Endlich mal jemand, der sich sorgt. Ökostrom ist definitiv die richtige Entscheidung! Viele Grüße. Benny