Flash Firefox Crashes in Linux

Autor: Christian Ahmer, erstellt: 03.07.2012, zuletzt geändert: 16.09.2014
Kategorien: Web, Linux

Wir als Entwickler wissen alle, wie nützlich das Flash Plugin sein kann, ist es doch eine Brücke zwischen Dingen, die im Webbrowser funktionieren, und zwischen denen, die (auch mit HTML5) noch nicht so wirklich wollen. Wir ersetzen die fehlende Funktionalität einfach durch das Flash Plugin.
Aber: Wir als Nutzer kennen auch die Schattenseiten des Flash Plugins, Etwa dauernde Abstürze, Speicherauslastung bis ins Nirvana, langsame Webseiten, Probleme mit Videos unter verschiedenen Plattformen usw.

Doch ich finde das Flash Plugin an sich ist eine recht gute Sache, nur könnte es etwas weniger Sicherheitslücken haben und auch hin und wieder etwas besser glattpoliert sein. Wie auch immer man dazu steht, dass man im Browser auch im Jahr 2012 noch mit einer proprietären Komponente herumhantieren muss, es hat durchaus seine Daseinsberechtigung.

Aber was mit in letzter Zeit immer wieder auffällt, ist, dass wenn irgendwas nicht funktioniert, sehr häufig Adobe die Schuld an den zahlreichen Crashes in den jeweiligen Webbrowsern haben soll. Dabei habe ich heute etwas erlebt, was mir im Firefox die Augen geöffnet hat:

Für ein Projekt benötige ich derzeit eine simulierte Desktopumgebung via VNC.
Der Versuchsaufbau besteht also aus Ubuntu Linux 64 Bit  (Server) einer kleinen, schlanken Desktopumgebung und dem Mozilla Firefox Webbrowser samt Flashplugin. Alles durchwegs auf 64 Bit. Läuft auch ... bis ja, nun, bis eine Webesite auf einmal Flash verwendet. Dann stürzt auf einmal der seit den letzten Versionen im Firefox eingebaute Prozess plugin-container ab. Die Folge ist ein sehr langsam werdender Fireofx, der ca. 45 Sekunden lang unbedienbar wird und dann auf einmal meldet, dass das Adobe Flash Plugin abgestürzt sei. Das Witzige daran ist, dass Mozilla diesen plugin-container entworfen hat, damit nicht mehr ein einzelnes Browsertab den ganzen Webbrowser mit sich ins Nichts reissen kann, wenn er abstürzt. Somit hat man die Daten aus den anderen Tabs nach wie vor und kann in Ruhe seine Daten sichern bevor man den Browser evtl. neu startet. So schön das auch sein mag, genau dieser Mechanismus zwingt mich auf dem Linux Server zunächst zur Verzweiflung, denn es lässt sich keine einzelne Webseite mit Flash Elementen mehr bedienen, immer crasht der Tab und es dauert, bis der Firefox wieder reagiert.

Als nächstes probierte ich mehrere (auch ältere) Flash Plugin Versionen, mehrere Firefox Versionen und ging sogar dazu über, im 64 Bit System via nspluginwrapper 32 Bit Varianten des Flash Players zu testen (sehr schlechte Idee). Alles sinnlos. Ich tippte anschliessend auch auf einen Fehler im VNC Server, da dieser vor ca. 7 Jahren einmal Fehler gehabt haben soll, wenn man ihn nicht mit derselben nativen Farbtiefe verwendet, wie das Flash Plugin verlangt. Aber das war ebenfalls sinnlos. So vergingen die Stunden und die Google lastige Fehlersuche hörte immer noch nicht auf.

Zahlreiche Webseiteneinträge aufgebrachter Nutzer und Bloguser später dann auf einmal sah ich das, was mich zur Lösung brachte:

Einfach den plugin-container, der immer im Firefox crasht, abschalten.

Also in der Adressleiste des Firefox folgendes eingetippt:

about:config

Und dann nach ipc gesucht.

Die Einstellung

dom.ipc.plugins.enabled

muss dann auf false gestellt werden. Damit kann eine potentielle schlecht gemachte Flashseite u.U. natürlich wieder einmal den kompletten Firefox abstürzen lassen, aber genau diese Einstellung ist es, welche bei mir alle Probleme beseitigte. Alle Webseiten liessen sich mit dem aktuellsten Firefox (13.0.1, 64 Bit) und dem aktuellsten Flash (11.2, 64 Bit) sowie auch mit anderen Versionen wieder wunderbar verwenden.

Jetzt stellt sich natürlich wieder einmal die Frage nach den Schludigen. Adobe oder Mozilla? Ich denke beide.
Adboe zum einen, weil die ja laut den zahlreichen Usern und auch laut den Firefox Entwicklern fast immer Schuld sind, also q.e.d.
Und zum anderen sind es die Firefox Entwickler, da diese offenbar ihren plugin-container Mechanismus nicht so gut getestet haben um alle Eventualitäten zu erfassen. Zugegeben, dass ist auch schwierig bei so vielen unterschiedlichen Linuxvarianten und Kombinationen von verschiedenen Systembibliotheken und X11 macht es mit seinen Umbauten der Linux Grafikschicht derzeit auch nicht besonders leicht usw.. Aber: Wie kann man als Mozilla Firefox Entwickler sich hinstellen und einfach so sagen: Adobe ist Schuld! Get your crap fixed?

Ich weiß es nicht, mir persönlich wäre ein bisschen Objektivität in diesem Fall aber sehr recht gewesen. Dann hätte ich nicht stundenlang versuchen müssen, dieses Flash Plugin zum laufen zu bekommen, was ja offensichtlich doch recht gut funktioniert, wenn man dem Firefox ein paar hinter die Löffel haut.

Grummel.

P.S. Ich hoffe ich konnte Jemandem damit helfen.
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