Die perfekte Linux Distribution gibt es nicht

Autor: Christian Ahmer, erstellt: 24.11.2010, zuletzt geändert: 16.09.2014
Kategorien: Linux

Meiner Meinung nach ist irgendwas faul im Linuxland. Möglicherweise auch mit mir - ich weiß es nicht genau.
Jedenfalls habe ich es dieser Tage nicht leicht, die perfekt auf mich zugeschnittene Linux Distribution zu finden.

Eigentlich habe ich ja derzeit privat Kubuntu im Einsatz, aber Ubuntu und seine Derivate sind ja immer so zusammengestellt, dass man es ja jedem recht macht. Jeder Treiber wird für alles und jeden installiert und dann funktioniert zwar alles irgendwie, aber wenn man einmal dran drehen möchte an den Einstellungen, dann ist alles doch nicht mehr ganz so einfach, wie es bei Linux Distributionen ist, welche nach herkömmlicher Art das Editieren der Einstellungen via /etc/<fillmeout> Konfigurationsfile erlauben.
Zugegeben, ist ja auch nicht jedermanns Sache - aber bisweilen ist es gar nicht schlecht, wenn man an einigen Dingen so drehen kann wie man möchte - man ist ja schließlich nicht unter Windows...
Leider jedoch scheint der Zug in diese Richtung zu fahren, sieht man doch z.B. für die WLAN Netzwerkkonfiguration unter Ubuntu von Haus aus nur die Möglichkeit, dessen Einstellungen wie auch für LAN oder VPN über das Netzwerkmanager Applet zu tätigen (egal ob Ubuntu oder Kubuntu). Dieses Frontend setzt im Hintergrund auf den Netzwerkmanager.

Warum kann man nicht einfach wie bei z.B Gentoo oder Arch Linux die entsprechenden Pakete über das Paketsystem installieren und einfach nur z.B. wpa_supplicant für seine Netzwerkkarte verwenden? Dann kann man das Netzwerk auch schon starten, bevor die grafische Desktopumgebung geladen ist... aber nein, es muss ja unbedingt erst nach den Start der Desktopumgebung mit den Netzwerk verbunden werden.

Und warum ist der rt73usb Treiber für meinen D-Link DWL-G122 USB WLAN Stick einfach so blöde, dass man nach ein paar Minuten surfen immer wieder probleme mit der Namensauflösung bekommt - im Ernst, man kann sich irgendwann einfach drauf einstellen, dass man plötzlich keine Seiten mehr aufmachen kann, oder diese erst mit einer Verzögerung von 10 - 120 Sekunden geöffnet werden... bei einer 32MBit Internetverbindung, die unter Windows ohne Probleme läuft. Ist ja lächerlich.

Nicht falsch verstehen, ich verwende Privat ausschließlich Windows zum Arbeiten, aber so macht Arbeiten nicht unbedingt so sehr viel Spaß.

Andere Distributionen sind auch nicht viel besser - Fedora z.B. in der aktuellen Version 14 schafft es nicht einmal, das man fglrx darunter installieren kann. Stattdessen gibt es nur noch einen schwarzen Bildschirm.

Warum setzen so viele Distributionen auf einmal auf Grub2 als Bootloader? Den vernünftig zu konfigurieren ist eine Aufgabe für ein abendfüllendes Programm.

Warum ist Debian Squeeze so riesig, dass man es auf sage und schreibe 7-8 DVDs packen muss?

Und warum wurde Novell gerade von einem Konsortium gekauft, welchem zum Teil Microsoft angehört?

Warum ist X11 neuerdings out und Gallium3D total in, und warum bringt das trotzdem weniger Frames als ein proprietärer Binary Blob wie fglrx? Und warum funkioniert dieser wiederum nicht gescheit mit compiz?

Es ist zum verrückt werden.

Vielleicht habe ich auch schon resigniert und bleibe einfach bei Kubuntu.



Bisherige Kommentare

Autor: am 01.01.2011
Hallo zettberlin, danke für deinen Beitrag! Ich habe im Nachhinein auch festgestellt, dass ich unter Ubuntu einfach den networkmanager kram deinstallieren konnte und diesen einfach durch wicd ersetzen konnte. Danach waren meine Probleme verschwunden. wicd ist wirklich ein schönes Replacement für mich, aber es kann halt kein vpn - was nicht schlimm ist, da ich vpn nicht von zu hause aus nutze. Es ist nur oftmals ein großer Aufwand, und ich spreche da von mehreren Dingen... ein Ubuntu welches ja auf den Mainstream zugeschnitten ist, erst wieder an persönliche Nutzungsarten anzupassen. Da kann man auch ein Gentoo nehmen (und die anfänglichen Kompilierzeiten in kauf nehmen) und dann die Dinge selbst so richten wie man möchte. Ist immer noch bequemer als ein LFS ;-) Ich habe in den letzten Jahren immer wieder ausflüge von Gentoo nach Ubuntu / andere Distris gemacht, aber letzten Ende kann ich unter Gentoo all das machen, was ich möchte. Und das ist gut so. Und zu dem Punkt mit HP Netzwerkdruckern usw: Heterogene Netzwerke und Umgebungen sind immer schon ein Stolperstein gewesen, aber all diese Dinge sind nicht unlösbar sondern erfordern einfach die richtige Konfiguration, welche - zugegeben - oft auch eine Menge Zeit kostet. Aber wenn das alles einmal läuft, dann hat man eine sehr mächtige und Flexible Server- und Clientlandschaft.
Autor: zettberlin am 19.12.2010
Die kryptischen Automatikfunktionen besonders Networkmanager gehen mir auch auf die Nerven. Aber man muss in der Tat wirklich nicht. Wenn man wie in Gentoo konfigurieren will, kann man NM entfernen und ganz klassisch mit Kommandozeilentools arbeiten. Die perfekte Distro ist eine Illusion. Wäre ein aktuelles Betriebsystem so einfach, dass es immer richtig funktioniert, würden wir es nicht benutzen wollen, weil es zu einfach wäre für die Sachen, die wir gerne machen würden. Paradebeispiel ist MacOSX. Das funktioniert ganz von selbst -- solange man nicht von zwei Rechnern aus auf einem HP-Netzwerkdrucker zugreifen möchte oder andere "hypermodernen Experimentalfeatures" nutzen möchte. > Nicht falsch verstehen, ich verwende Privat ausschließlich Windows zum Arbeiten, aber so macht Arbeiten nicht unbedingt so sehr viel Spaß. Tippfehler? ;-)